Mit 100 Wassern gewaschen

Es hat sich noch nicht herumgesprochen: Hamburg hat schon seit zwei Jahren sein eigenes Hundertwasser-Haus. Das Abendblatt zeigt dort jetzt die wichtigsten Arbeiten des Wiener Künstlers, der im Februar vergangenen Jahres starb.


Von ALEXANDRA zu KNYPHAUSEN

Fritz Stowasser war schon immer ein etwas eigenwilliger Mensch. Er trug meist eine grüne und eine rote Socke und oft eine farbenfrohe Ballonmütze. Und er hielt auch mal splitternackt Vorträge als Weltverbesserer. Er liebte die Natur und witterte dort Gefahren, wo das Unberechenbare aus der Welt ausgeklammert wurde, zum Beispiel beim Pflastern von Straßen."So trottet jeder vor sich hin, schaltet seinen Verstand völlig aus. Dabei sollte er sein Bewusstsein auf alles richten, was er tut. Dann strauchelt er auch nicht auf unebenem Boden."
   Hamburg wollte ihn haben, 1959. Damals nannte er sich schon seit zehn Jahren Friedensreich Hundertwasser. Friedensreich wegen seiner religiösen Gesinnung und Hundertwasser, weil sto auf Russisch hundert heißt.
   Der Wiener Künstler sollte an der Hochschule für bildende Künste Freie Kunst lehren und fing gleich mit der Demonstration der Freiheit an: Er malte eine Endloslinie in dem ihm zugewiesenen Atelier, einfach über Fenster, Heizungen und Türen hinweg.
   Das brachte das geordnete Weltbild der Hanseaten so durcheinander, dass sie ihn feuerten. Er kettete sich an der Heizung fest, drei Tage lang. Das war zunächst mal das Ende seiner Liaison mit Hamburgs Kulturbetrieb.
   Aber er gab nicht auf. So verlas er 1980 in der Kunsthalle ein Plädoyer für Humustoiletten, sein "Scheißmanifest". Seine wirkliche Liebe zu Hamburg manifestierte sich aber erst 1992. Und zwar in Ottensen. 1991 hatte ein alternativer Busreiseunternehmer bei Hundertwasser angefragt, ob er nicht eines seiner Fahrzeuge bemalen wolle.
   Die Direktorin des Museums in Wien, das Hundertwassers Werk betreut, schlug die Hände über dem Kopf zusammen: "Der ist doch viel zu beschäftigt." Von wegen: Eine Woche später, am 63. Geburtstag des Künstlers, war der Entwurf fertig. Im März 1992 wurde der bemalte Bus dem Verkehr übergeben.
Fassade Stadtcafé Ottensen   Das war der Beginn einer fruchtbaren Freundschaft zwischen Hundertwasser und Rainer Bruns, dem Busunternehmer. "Hundertwasser war ein introvertierter Mensch, der einen guten Draht zu Handwerkern hatte", sagt Bruns. "Er hatte nichts übrig für Cocktailpartys, auf denen viel Nutzloses geredet wird, er wollte etwas tun."
   Zum Beispiel dies: Er, der Ökologe mit den mutigen architektonischen Ideen, entwarf einen Plan, die alte Feuerwache, die Bruns für seine Busse gekauft hatte, zum Café menschengerecht umzugestalten. Im November 1998 war Eröffnung. Seitdem hat Hamburg seine Hundertwasser-Attraktion - sie gehört für Experten zu den 50 schönsten Restaurants Europas.


Ein Gang durchs Café ist wie ein Trip durch eine andere Welt,
die heute kaum noch erlaubt ist. Hier machte das Bauamt Altona wohlwollend mit.


   Ein Gang durch dieses Stadtcafé Ottensen ist wie ein kleiner Trip durch eine verwunschene Welt, die heute kaum noch entstehen kann. Hier machte das Bauamt Altona wohlwollend mit: Man wandelt auf unregelmäßigen Terrakotta-Fliesen über Berg und Tal. In den Boden ist eine Weltkarte eingelassen und an mehreren Stellen Uhren mit der jeweiligen Ortszeit.
Stadtcafé Ottensen innen   Säulenartige Elemente und bunte unsymmetrische Mosaiken schmücken die Wände, und auf einer geschwungenen Galerie stehen Tische mit wellenförmigen Rändern.
   Bewusst hat Hundertwasser keine geraden Linien eingeplant, weil er in der Natur auch keine entdecken konnte. Treppen, organisch geformte Aussparungen in Mauern und als Fenster sowie ein begrüntes Dach, seine Spezialität, gehören ebenfalls dazu. "Man muss der Natur wiedergeben, was man ihr genommen hat", war seine Devise. Nicht zuletzt deshalb wurde er zu einem der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts.
   Drinnen wie draußen wachsen in Beeten und Kübeln auch jede Menge Nutzpflanzen: hier ein Kaffestrauch, da ein Zitronenbaum. Hier ranken Weinreben, dort steht ein Mangobaum, der sogar schon Früchte getragen hat. Auch Hopfenpflanzen, Lorbeer, Petersilie und Dill sind hier zu finden, und im hinteren Teil des Gebäudes gibt es einen großen Veranstaltungssaal, die sogenannte Event-Halle mit Bar und Kleinkunstbühne und viel Platz für Feste, Empfänge und Ausstellungen - wie jetzt die Hundertwasser-Schau, die am 5. Januar eröffnet wird.
    Gezeigt werden druckgraphische Arbeiten Hundertwassers sowie viele architektonisch und ökologisch bedeutende Werke, die der Künstler entworfen hat.
   Zum Beispiel ein wunderbares dreidimensionales Modell des Uelzener Bahnhofs, den Hundertwasser umgestaltete - eins seiner letzten Werke - und der erst am 25. November wieder eröffnet worden ist. Und ein Blatt, auf dem der Künstler Vorschläge für die Umgestaltung des Bunkers auf dem Hamburger Heiligengeistfeld entwickelt hat.

nach oben

           Einführung

             Biografie

               In Hamburg

              Ausstellung

             Rundgang

          Berichte

       Links